Kategorie: Gedichte

  • ewigkeit

    verlangen
    zerbrochen
    schummernd
    allein

    so muss
    die ewigkeit
    so muss
    sie sein

  • Die Natur

    Guten Tag im Tartengarten,
    wo die spitzen Spaten warten,
    die im Feld der Wortetorte,
    rings umblüht von Bratensaaten,
    ordentlich die Drähte jäten,
    als die späten Nähte krähten.
    „Ruhe!“ rief die Kuckucksuhr.
    Alles das ist die Natur.

  • alle diese dinge hier

    alle diese dinge hier
    scheinen mir nicht wichtig.
    heute kam ich an um vier
    und alles war mir nichtig.
    sehr gekümmert hat mich die
    musik und all die leute.
    oh wie schön ging all das unter
    alles tot im heute.

    ich bin ein schatten meiner selbst
    und trau mir keinen schritt.
    ich wünscht ein engel käme nun
    und gäb mir einen tritt.
    ich bin gespannt wie langs noch dauert
    bis das alles endet.
    stunden tage wochen lang
    alle zeit verschwendet.

  • liebe

    die schönheit der liebe vergossen
    das mischen der farben verflossen
    der zug in entgegene leben
    der moment dazwischen, das schweben
    gott ist der raum zwischen uns beiden
    liebe ist die pure form von leiden.

  • leiser

    wenn du denkst, dass das lied leiser wird, aber es nicht leiser wird und
    du bangend noch eine halbe minute weiterlauschst,
    anstatt die letzten züge der schönheit zu begreifen
    und es dann tatsächlich leiser wird, verschwindet,
    dann ist das genau die angst, die ich meine,
    wenn ich frage
    war es
    das?

  • vorstellung

    so gern wär ich dein
    so gern wärst du mein
    in meinem kopf
    doch in deinem kopf
    ein gehirn

  • Tarantinische Kinematographie

    Quentin Tarantinos Werke,
    wenn ich das mal so bemerke,
    lassen sich leicht runterbrechen:
    Blut, Gewalt und viel Verbrechen,
    starke Männer, Frauen, süße
    Füße, Füße, Füße, Füße.

  • alles ist zerbrochen

    alles ist zerbrochen
    heute nacht
    keine gardine wie sie vorher hing
    alles ist zerstochen
    das licht brennt schemen durch die löcher
    blendet meine trübe sicht
    alles ist zerfallen
    heute nacht
    die zukunft düstert mir grummelnd entgegen
    ich hoffe sie beruhigt sich ein wenig
    kühlt ab oder erwärmt sich
    erscheint ein wenig freundlicher
    stopft einst auf eine ihrer weisen die alten gardinen
    und lässt mich aufatmen
    alles ist in ordnung

  • Vergänglichkeit

    »Meiner lieben Enkelin
    geb ich dieses Büchlein hin,
    dass es voller Lust und Freude
    keinen Platz im Schrank vergeude
    und ich keine Reue büße,
    dir nur deinen Tag versüße.«

    Als ich diese Inschrift las,
    schwelgend in der Landschaft saß,
    fiel mir wieder einmal ein:
    Ich möcht nicht gern vergessen sein.
    Drum schreibe ich in jedes Buch
    Verse, ja mal schlecht, mal gut
    und weiß, dass wenn ich heiter leb
    in diesen Versen weiterleb.

  • Eldorawo?

    zum Film »Aguirre, der Zorn Gottes« von Werner Herzog

    Nun auf ins frohe Ländlein
    voll Schatz und voller Gold!
    Wir setzen das in Brändlein,
    was früher war uns hold.

    Ein König will ich werden,
    ein Kaiser, nein ein Gott.
    Ich werd die Macht auf Erden,
    wie fein, ja ach so flott.

    Es zieht mich tief ins Innre,
    Kein Dschungel hält mich auf;
    kein Herr der es verschlimmre,
    das Schicksal nimmt seinen Lauf.

    Ich kröne einen Kaiser
    und baue uns ein Floß,
    ich bin ja ach ein Weiser
    und noch dazu so groß!

    Ja denkst du nur ans Meutern,
    so sei dir stets im Klaren:
    der Herr er wird dich läutern,
    die Wahrheit offenbaren.

    So langsam wird es bitter,
    das Essen wird mir knapp.
    Das Pferd ist ohne Ritter
    und ich bin ohne Knapp.

    Der Kaiser ist jetzt auch tot,
    lang lebe wohl nur ich,
    im Baum da hängt ja ein Boot!
    Das Meer erwartet mich!

    Das Feuer ich nur schüre,
    mich selbst nur du ausrottest,
    ich nenne mich Aguirre
    und sterbe im Zorn Gottes.